Privathaftpflicht
Plötzlich hat der Ball die Scheibe getroffen. Wer kommt jetzt für den Schaden auf?
Foto: maxmann, Pixabay

Die Privathaftpflichtversicherung gilt als die wichtigste Versicherung. Stimmt das? Was du über die Privathaftpflicht wissen solltest und ob sie für dich sinnvoll ist, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Was bedeutet Haftpflicht?

Wenn man von Haftpflicht spricht, heißt dies nichts anderes als die Verpflichtung zum Schadenersatz. Wer also jemand anderem einen Schaden zufügt, der muss den Schaden ersetzen. Dies betrifft auch fremdes Eigentum. Die gesetzliche Grundlage für den Schadenersatz in Deutschland ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).

2. Welche Arten von Haftpflichtversicherungen gibt es?

Grundsätzlich kann man jede Schadenersatzverpflichtung versichern. Jede Versicherung ist jedoch auf einen bestimmten Bereich spezialisiert. Die bekannteste Versicherung ist die Privathaftpflichtversicherung (PHV) die Schäden absichert, die eine Privatperson im privaten Umfeld verursacht hat. Da jedoch nicht alles über die Privathaftpflichtversicherung versicherbar ist, gibt es für bestimmte Lebensbereiche zusätzliche, teilweise gesetzlich verpflichtende Haftpflichtversicherungen. Ein bekanntes Beispiel für eine Pflichtversicherung ist die Kfz-Haftpflichtversicherung, die sich auf Schäden durch das Fahrzeug spezialisiert. Hunde- oder Pferdehalter müssen zum Teil spezielle Tierhalterhaftpflichtversicherungen abschließen. Für Schäden bei unternehmerischen Tätigkeiten gibt es zum Beispiel Betriebs-, Berufs- oder Produkthaftpflichtversicherungen.

3. Privathaftpflicht ist keine Pflichtversicherung

Auch wenn es so klingt, anders als bei einer Kfz-Haftpflichtversicherung für ein Auto, ist die Privathaftpflichtversicherung freiwillig. Du kannst frei entscheiden, ob du eine solche Versicherung abschließen möchtest oder nicht.

4. Wofür ist die Privathaftpflichtversicherung da?

Die Privathaftpflichtversicherung hilft dann, wenn jemand Schadenersatzansprüche an dich stellt. Die können begründet sein, weil du tatsächlich einen Schaden verursacht hast. Aber auch wenn du keine Schuld hast hilft dir die Versicherung, indem sie jeden Anspruch zunächst prüft und ggf. auch abwehrt, wenn du unschuldig bist. Und das mitunter sogar bis vor Gericht. Man spricht daher auch oft von einer passiven Rechtsschutzversicherung. Ein Geschädigter nutzt gerne die Gelegenheit den Schaden möglichst hoch zu beziffern. Deine Versicherung prüft daher auch immer die Höhe des Anspruches.

5. Das ist versichert

Versichert sind Schäden, die du als Privatperson fremden Menschen unbeabsichtigt zufügst, sowie auch Schäden an fremdem Eigentum. Was genau und unter welchen Umständen versichert ist und was nicht, das legt jede Versicherungsgesellschaft ganz individuell fest. Es gibt jedoch Musterbedingungen an die sich die meisten Gesellschaften orientieren. Folgende Schäden können passieren. Stelle dir vor, du spielst an der Straße Fußball.

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Dein Fußball trifft einen Fußgänger am Kopf. Der Geschädigte geht zum Arzt. Zunächst übernimmt die Krankenkasse des Geschädigten die Behandlungskosten. Diese kann jedoch die Kosten von dir zurückfordern. Deine Privathaftpflichtversicherung übernimmt das für dich zzgl. eventueller Schmerzensgelder.
Dein Fußball trifft ein parkendes Auto auf der Frontscheibe. Die Scheibe reißt. Deine Privathaftpflichtversicherung übernimmt die Kosten für den Scheibenaustausch.
Dein Fußball trifft einen Fußgänger der gerade auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftstermin ist. Diesen Termin kann er nicht wahrnehmen, da er ärztlich behandelt werden muss. Neben den Behandlungskosten übernimmt deine Privathaftpflichtversicherung einen nachgewiesenen wirtschaftlichen Schaden, der durch den Terminwegfall entstanden ist.

6. Das ist nicht versichert

Grundsätzlich nicht versichert sind Schäden die jemand vorsätzlich, also mit voller Absicht herbeiführt und Schäden die im Zusammenhang mit strafbaren Handlungen stehen.  Außerdem leistet die private Haftpflichtversicherung auch dann nicht, wenn es sich um einen Schaden handelt, der gesondert zu versichern ist (z.B. Schäden durch Kfz oder aus der gewerblichen Tätigkeit). Leistungseinschränkungen kann es geben, wenn ein Schaden dadurch entsteht, dass die übliche Sorgfaltspflicht nicht beachtet wurde. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Mieter die Wohnung für längere Zeit verlässt, während die Waschmaschine läuft und es dann zu einem Wasserschaden im Mietshaus kommt. Wenn die Geschädigten im eigenen Vertrag mitversichert sind (z.B. die Kinder) bzw. zu den Angehörigen zählen, die im gleichen Haushalt leben (z.B. Ehe-/Lebenspartner oder Großeltern), dann sind Schäden gegenüber diesen Personen in der Regel  nicht versichert.

7. Wer braucht eine Privathaftpflichtversicherung?

Jeder sollte eine solche Versicherung haben. Wir sind alle zu menschlich um uns vor Missgeschicken freizusprechen. Wem ist nicht schon einmal etwas aus der Hand gerutscht? Dabei müssen wir nicht immer selbst etwas falsch gemacht haben. Manchmal verursacht unser Eigentum einen Schaden (z.B. Wasserschaden beim Nachbarn, weil unsere Waschmaschine einen Wasserschaden verursacht hat). Eigentum verpflichtet. Wir sind dafür genauso verantwortlich wie für unser eigenes Handeln. Und falls doch alles perfekt läuft und jemand behauptet einfach du hättest einen Schaden verursacht, dann kannst du einfach sagen: „Wende dich an meine Versicherung“. Die Versicherung übernimmt dann die weitere Prüfung und Korrespondenz mit dem Beteiligten.

8. Wer ist über die Privathaftpflichtversicherung versichert?

Grundsätzlich ist derjenige versichert, der die Versicherung auf seinen Namen abschließt. Dabei gibt es verschiedene Vertragsvarianten. Für Singles oder Paare, jeweils mit oder ohne Kinder sowie für Familien gibt es unterschiedliche Tarife. Der Beitrag steigt, je mehr Personen im Haushalt mitversichert werden. Kinder sind meist bis zum Ende des Studiums oder bis zum Ende der ersten Berufsausbildung mitversichert und sollten sich anschließend selbst versichern. Je nach Vertrag gelten auch häusliche Angestellte wie z.B. Gärtner oder Babysitter im Rahmen der Tätigkeit zum versicherten Personenkreis.

9. Wie teuer kann ein Privathaftpflichtschaden sein?

Unbegrenzt. Für die Schadensersatzpflicht gibt es in Deutschland keine Höchstgrenzen. Jede Privatperson haftet mit dem gesamten Einkommen und Vermögen bis der Schaden beglichen wurde. Das sind oft überschaubare Schäden, wenn man sich z.B. versehentlich auf eine fremde Brille setzt oder einen fremden Teppich ruiniert. Teuer wird es vor allem dann, wenn größere Schäden eintreten, die mehrere Geschädigte betreffen. Dies kann z.B. passieren wenn aufgrund einer Kerze in der Wohnung ein unkontrollierbarer Brand entsteht, der auf mehrere Wohnungen übergreift oder wenn Personen verletzt werden. Bei umfangreichen Schadenereignissen kommen auch mal mehrere Millionen Euro an Forderungen zusammen.

10. Wo gilt der Versicherungsschutz?

Über eine deutsche Privathaftpflichtversicherung bist du auf jeden Fall in ganz Deutschland versichert. Versicherungsschutz gilt in der Regel auch in den EU-Mitgliedsstaaten. Mitunter auch darüber hinaus in allen europäischen Ländern oder gar weltweit. Diese Erweiterungen können allerdings je nach Vertrag völlig unterschiedlich geregelt sein. Oftmals gibt es Einschränkungen für die erlaubte Aufenthaltsdauer in anderen Ländern. Wer in den Urlaub fährt oder für längere Zeit ins Ausland reist, der sollte auf jeden Fall vorher seinen Vertrag überprüfen. Meist bieten die Versicherungen entsprechende Tarife an, die eine Erweiterung für Auslandsreisen beinhalten.

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